Freitag, 11. November 2011

in österreich gibt es die ramschladen kette "SEWA-I LOVE SHOPPING", im gegensatz zu andern ramschladen ketten führt sie seit ca. 10 jahren auch räucherstäbchen, kleine buddhafiguren und indische tücher, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass das unternehmen zur sekte des indischen gurus sri chinmoy gehört.
die mitarbeiter wirken alle ramschladen mitarbeiter untypisch, viele von ihnen sind deutsche mitte vierzig und seltsam entspannt.
nach meiner akuten mcdonalds depression, bin ich da heute hinein, um auf andere gedanken zu kommen.
im sewa-i love shopping- outfit stand da ein beseelt lächelnder mann und ordnete verliebt in die wirklichkeit glitzerbilderrahmen nach farben. die zweite mitarbeiterin hatte blondes fahles haar und schien durch die gänge zu schweben, mit langen kraftlos hängenden armen und dem erloschenen blick einer lebenden toten, die sich die seele wegmeditiert hat.
es riecht nach duftkerzen und lsd und als ich einmal nach superkleber gefragt hab, habe ich den merkwürdigsten kleber vortrag meines lebens erhalten und verließ das geschäft völlig ratlos mit einem flyer meines eindeutig wahnsinnigen gesprächspartners, den man zu kindergeburtstagen bestellen kann.


ich glaub er ist unter den zauberkünstler ungefähr das was "ES" unter den clowns ist.

der wikipedia eintrag über sri chinmoy sagt
"Sri Chinmoy und seine Schüler haben Befürworter und Gegner. Mutter Teresa, Erzbischof Desmond Tutu und Michail Gorbatschow (...) zählen zu den Persönlichkeiten, die Sri Chinmoys Initiativen und Aktivitäten würdigten"

ich war mal vor jahren mit freunden auf einem der legendären gratiskonzerte von ihm, die das leben völlig verändern, als prägnanteste erinnerung blieb mir, dass man dort sticker von seinem hund kaufen konnte, ausgemergelte deutsche frauenkörper in indischen saris und viel zu viele kinder, ansonsten hab ich tatsächlich alles vergessen.

Kommentare:

  1. Oh Gott, du warst auch auf dem Konzert? Meine schönste Erinnerung daran ist, wie die üppig mit Flatlinern ausstaffierte Halle völlig still in sich rein meditiert, während der Meister versucht, sowas wie Zither zu spielen und dabei alle paar Minuten in so einem unheiligen Sandler-Husten ausbricht, dass ich vor lauter Humorlosigkeit meiner Umwelt umso heftiger lachen muss, bis irgendwann mal zwei Freunde des sexlosen Sektenlebens (woanders würde man Türsteher dazu sagen) uns sagten: "Wir wollen euch nicht rauswerfen, aber wir bitten euch, euch zu überlegen, ob ihr WIRKLICH hier sein wollt."

    Wenn ich bedenke, dass wir massiv nach Schnaps gerochen und vor Gras ziemlich gut gestunken haben, war das eigentlich eine sehr nette Aufforderung zur Selbstbesinnung, weshalb wir dann schleunigst über den Notausgang aus der Halle geflüchtet sind und ich wusste, dass ich soeben meinen persönlichen Fear and Loathing-Moment initiationsrituell hinter mich gebracht hatte.

    Außerdem waren dort zwei Polizisten, die zum Beten oder sowas dort waren und trotzdem Uniform trugen, was ich ultrascheiße fand und jetzt redet grade ein Typ bei Wer wird Millionär über Wrestling also tschüss.

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  2. Ich dachte immer SEWA gehört "den Wissenschaftlern", den "Unaussprechlichen", ehschowissen.

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  3. ich hab mir beim herumschauen im sewa immer gedacht: "aha, da arbeiten lauter geistig behinderte menschen." danke, jetzt weiß ich mehr.

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